Am 14. Mai 1925 reist Alban Berg von Wien nach Prag, wo seine „Drei Bruchstücke aus der Oper Wozzeck“ aufgeführt werden. Dort lernt er seine Gastgeberin Hanna Fuchs-Robettin kennen, die Schwester Franz Werfels und Frau des Industriellen Herbert Fuchs-Robettin. Die Liebe, die innerhalb weniger Tage entsteht, wird erwidert, bleibt aber aus Rücksicht auf die Ehepartner unerfüllt. Vierzehn Briefe Bergs an Hanna, zwischen 1925 und 1935 geschrieben und erst in den 1970er Jahren in ihrem Nachlass gefunden, sind das einzige Zeugnis dieser Beziehung. Seither weiß man, wie sehr sie Bergs Spätwerk prägte, vor allem die 1925/26 komponierte Lyrische Suite, deren geheimes Programm allein Hanna galt.
Urs Faes, 1947 in Aarau geboren, verbindet in seinem 2005 im Suhrkamp Verlag erschienenen Roman diese historische Liebesgeschichte mit einer Geschichte der Gegenwart. Der Journalist David, von langer Krankheit genesen, begegnet der Sängerin Simone, deren Leidenschaft für Bergs Musik ihn nach dem Komponisten und seiner verschwiegenen Prager Geliebten forschen lässt. Nach mehreren Anläufen und Abbrüchen führt ihre gemeinsame Reise von Zürich bis nach Kroatien, wo sie Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ hören – das Werk, mit dem Bergs Leben und Schaffen endet. Vergangenes und Gegenwärtiges, Reales und Erfundenes spiegeln sich in diesem Roman ineinander.
Die Musik stammt aus einem Konzert beim Gergiev-Festival Rotterdam am 14. September 2005 im Jurriaanse Zaal von De Doelen. Das DoelenKwartet spielt Alban Bergs Lyrische Suite mit Hanneke de Wit (Sopran), Alexander von Zemlinskys „Maiblumen blühten überall“ op. 10 für Sopran und Streichsextett und Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ op. 4; in den Sextetten ergänzen Anne Huser (Viola) und Floris Mijnders (Violoncello) das Quartett. Ausschnitte aus diesen drei Werken sind den 26 Kapiteln des Romans zugeordnet.
Michael Rotschopf, Mirjam Wiesemann und Christian Higer lesen den Roman ungekürzt; die Sprachaufnahmen entstanden im Juni 2006 in den Cybele Studios unter der Regie von Vera Forester. Mit gut fünf Stunden Spielzeit auf vier SACDs ist „Als hätte die Stille Türen“ die umfangreichste Produktion der Hörbuchreihe Wort&Musik. Sie wurde von der Kunststiftung NRW und vom Aargauer Kuratorium gefördert.
Die vier Hybrid-SACDs spielen zusammen 301:24 in Stereo und 5.0 Surround; das Begleitheft umfasst 24 Seiten. Gelesen wird die ungekürzte Fassung des 2005 bei Suhrkamp erschienenen Romans. Bergs Violinkonzert, das am Ende der Reise steht, entstand 1935 im Andenken an Manon Gropius, die mit achtzehn Jahren gestorbene Tochter Alma Mahlers; es blieb Bergs letztes vollendetes Werk.
