Am 27. Februar 1854, einem Rosenmontag, eilt Robert Schumann durch das Karnevalstreiben der Düsseldorfer Innenstadt zur alten Rheinbrücke, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Dieser Weg bildet den Rahmen des Hörbuchs „Ich möchte lachen vor Todesschmerz“ von Vera Forester. Seine Stationen gliedern die Erzählung: der Aufbruch aus der Wohnung in der Bilker Straße, die Benrather Straße, die Maxkirche, die Schulstraße und schließlich die Brücke selbst.
Zwischen diese Stationen treten Rückblenden auf die dreieinhalb Jahre, die Schumann zu diesem Zeitpunkt in Düsseldorf verbracht hatte. Sie beginnen im Herbst 1850 mit dem Amtsantritt als Städtischer Musikdirektor und dem Anfangserfolg, der ihm Auftrieb gab. Sie reichen bis zu dem Punkt, an dem sein Ruf als Musikdirektor schwer beschädigt war und die Krise im Amt seine Existenz bedrohte. Auch die Begegnung mit dem jungen Johannes Brahms, der im Herbst 1853 nach Düsseldorf kam, hat hier ihren Platz.
Forester zeichnet das Porträt eines Künstlers, der an eigenen inneren Widersprüchen ebenso zerbricht wie an einer verständnislosen Umgebung. Selbst dieser letzte Versuch scheitert: Schumann wird aus dem Rhein gerettet und fünf Tage später in die Heilanstalt in Endenich bei Bonn gebracht, wo er am 29. Juli 1856 stirbt.
Es sprechen Lutz Lansemann und Michael Rotschopf, am Flügel sitzt Thomas Günther. Das Hörbuch erschien 2005 in der Hörbuchreihe Wort&Musik; hr2 wählte es im Juli 2006 zum CD-Tipp.
Thomas Günther spielt die Musik auf einem historischen Flügel von Johann Baptist Streicher aus dem Jahr 1848, einem Wiener Instrument aus Schumanns Lebenszeit: Sätze aus der Kreisleriana op. 16, den Fantasiestücken op. 12, dem Carnaval op. 9 mit Reconnaissance, Eusebius, Florestan und Chiarina, den Kinderszenen op. 15 mit „Fast zu ernst“ und „Der Dichter spricht“, den Waldszenen op. 82 mit dem „Vogel als Prophet“, die Romanze op. 28 Nr. 2 und schließlich die unvollendeten Variationen über ein eigenes Thema WoO 24, Schumanns letztes Klavierwerk.
Das Begleitheft wendet sich auch gegen ein verbreitetes Urteil: Großes gewollt, aber an der Erschöpfung der eigenen Kräfte gescheitert zu sein — dieses Vorurteil begleitet Schumanns Spätwerk bis heute. Bestärkt wurde es von Clara Schumann selbst, die manche Partitur gar nicht erst zum Druck gelangen ließ, um aus ihrer Sicht das Andenken ihres Mannes zu schützen. So konnte das 1853 für Joseph Joachim geschriebene Violinkonzert in d-Moll, eines der Hauptwerke des späten Schumann, erst in den 1930er Jahren uraufgeführt werden — ein Werk, das mit seiner weit auf Bruckner vorausdeutenden Themenbildung und der Heiterkeit des Finales kaum etwas vom Verfall seines Komponisten ahnen lässt.
