Cybele 3D-131518 2015

3D-Binaural-Stereo DSD Stereo Surround Klassik Barockmusik 1:11:56

Zur Beschreibung

Johann Sebastian Bach: Klavierwerke Vol. 2 – Clavierübung II & III

Mitwirkende

Thomas GüntherKlavier

Komponist:in

Johann Sebastian Bach

Kurzbeschreibung

Für seine zweite Bach-Einspielung bei Cybele hat der Essener Pianist Thomas Günther den vollständigen Zweiten Teil der Clavier-Übung mit den vier Duetten aus deren Drittem Teil und den beiden Ricercari aus dem Musikalischen Opfer zu einer Meta-Form verbunden. Wie Stefan Orgass im Begleitheft darlegt, wird darin greifbar, wie Bach aus der Perspektive der deutschen evangelischen Kantoreitradition auf die europäischen Gattungen Konzert, Ouvertüre und Fuge Bezug nimmt. Günther spielt auf einem Steinway-D-Konzertflügel; die Aufnahme entstand im September 2015 in der Stadthalle Meinerzhagen.

Details

Trägerformat
Hybrid-SACD

Auflösung
DSD64 / 2.8224 MHz 1 bit

Gesamtspielzeit
71:57

Kanäle
Stereo, 5.0 Surround, 3D-Binaural-Stereo

Instrument
Steinway-D-Konzertflügel

Aufnahme
20.–22. September 2015, Stadthalle Meinerzhagen

Begleitheft
Deutsch und Englisch, 44 Seiten, Digipak

Recording Producer: Ingo Schmidt-Lucas

Mit freundlicher Unterstützung der HEAD acoustics GmbH, des Pianohauses Schöler und der Stadthalle Meinerzhagen

Auszeichnungen

Preis der deutschen Schallplattenkritik — Longlist 2/2016, Kategorie Klaviermusik

Pressestimmen

PianoNews, 5/2016

American Record Guide, 9/2016

MusicWeb-International.com, 11/2016

Classic Voice, 1/2017

Angaben

Katalognummer
Cybele 3D-131518
Erscheinungsjahr
2015
Genre
Klassik
Epoche
Barockmusik
Besetzung
Klavier
Label
Cybele Records
Barcode
809548017323
GTIN
4068992477121
Booklet (Seiten)
44

Tracklisting

20 Titel · 1:11:56

  1. 01 Musikalisches Opfer BWV 1079 – I. Ricercar a 3 voci Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 5:44
  2. 02 Clavierübung II, Concerto nach italienischem Gusto in F-Dur BWV 971 (Italienisches Konzert) – (ohne Satzbezeichnung) Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 4:02
  3. 03 Clavierübung II, Concerto nach italienischem Gusto in F-Dur BWV 971 (Italienisches Konzert) – Andante Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 5:09
  4. 04 Clavierübung II, Concerto nach italienischem Gusto in F-Dur BWV 971 (Italienisches Konzert) – Presto Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 3:40
  5. 05 Clavierübung III, Duetto I BWV 802 Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 3:17
  6. 06 Clavierübung III, Duetto II BWV 803 Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 3:04
  7. 07 Clavierübung III, Duetto III BWV 804 Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 2:43
  8. 08 Clavierübung III, Duetto IV BWV 805 Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 2:57
  9. 09 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Ouverture Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 12:03
  10. 10 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Courante Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 2:05
  11. 11 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Gavotte I Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 1:09
  12. 12 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Gavotte II Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 1:49
  13. 13 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Passepied I Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 1:10
  14. 14 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Passepied II Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 1:38
  15. 15 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Sarabande Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 4:40
  16. 16 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Bourrée I Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 0:56
  17. 17 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Bourrée II Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 1:53
  18. 18 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Gigue Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 2:11
  19. 19 Clavierübung II, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 – Echo Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 3:08
  20. 20 Musikalisches Opfer BWV 1079 – IX. Ricercar a 6 voci Komponist:in: Johann Sebastian Bach (1685-1750) Interpret:in: Thomas Günther 8:38

Beschreibung

Thomas Günther hat für diese Einspielung nicht einfach ein Programm zusammengestellt, sondern, wie Stefan Orgass im Begleitheft schreibt, eine Meta-Form gebaut: den vollständigen Zweiten Teil der Clavier-Übung, dazu die vier Duette aus deren Drittem Teil und die beiden Ricercari aus dem Musikalischen Opfer. In dieser Zusammenstellung wird hörbar, wie Bach aus deutscher Perspektive auf die damals maßgeblichen europäischen Spielarten des Komponierens Bezug nimmt: auf Fuge und Kanon, die man Deutschland zurechnete, auf das Konzert Italiens und auf Suite und Ouvertüre Frankreichs. Diese Zuordnung von Gattungen zu Nationen folgt einer stark vereinfachenden Typologie, entspricht aber dem zeitgenössischen Diskurs über musikalische Nationalstile. Sogar die bei Bach notorisch fehlende Oper, so Orgass, werde im zweiten Satz des Concerto nach italienischem Gusto in F-Dur BWV 971 musikalisch heraufbeschworen.

Dieses Concerto erschien 1735 zusammen mit der Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831 als Zweiter Teil der Clavier-Übung. Schon in seiner Weimarer Zeit hatte Bach Solokonzerte unter anderem Antonio Lucio Vivaldis für Orgel bearbeitet; im Italienischen Konzert werden die fließenden Grenzen zwischen Bearbeitung und Originalkomposition selbst zum Thema, denn das Stück lässt sich als Klavierfassung eines imaginären Solokonzerts hören. Die Ecksätze sind ausgesprochen clavieristisch gedacht — „Clavier“ meinte damals das Manual und jedes Instrument, das über eines oder mehrere verfügt —, und hinter der klanglichen Differenzierung bleibt die Unterscheidung von Tutti und Soli mitvollziehbar. In der Französischen Ouvertüre verfährt Bach umgekehrt: Aus dem Kern der Satzfolge streicht er die Allemande, also gerade die Referenz auf etwas Deutsches, und erweitert ihn um Gavotte, Passepied und Bourrée, deren erstes Stück jeweils wiederholt wird; auf die Gigue folgt zuletzt noch ein Echo. Die Hinzufügungen halbieren sich dabei von vier über zwei zu einer — eine Entsprechung zu den Taktgruppen von acht, vier und zwei Takten, mit denen der erste Satz des Italienischen Konzerts gegliedert ist.

Die vier Duette BWV 802–805 stammen aus dem 1739 gedruckten Dritten Teil der Clavier-Übung, wo sie innerhalb der aus Choralvorspielen bestehenden Orgelmesse unmittelbar vor der Schlussfuge in Es-Dur stehen. Der geistliche Zusammenhang lässt für diese zweistimmigen, streng kontrapunktischen Stücke konkrete theologische Gehalte vermuten; Orgass zeigt das am zweiten Duett in F-Dur, das sich als Bogenform in 37 + 31 + 13 + 31 + 37 Takte gliedert. Den diatonischen Außenteilen mit ihrem kräftigen Dur-Soggetto stehen hochchromatische Kanonteile gegenüber. Im kurzen Mittelteil wird beides verschränkt: Auf das Soggetto in der Unterstimme antwortet nicht der erwartete Comes, sondern die intervallgetreue Umkehrung, sekundiert von einem aufwärts geführten Passus duriusculus, der statt der üblichen Quarte eine kleine Sexte umspannt. Auf die bloße Gegenüberstellung von Kraft und Leiden folgt so eine Sinngebung durch die Umkehr — das Leiden im Bewusstsein der Notwendigkeit dieser Umkehr ermöglicht eine geläuterte Existenz.

Die beiden Ricercari des Musikalischen Opfers, im Juli 1747 im Druck erschienen, verwirklichen die gegensätzlichen Bedeutungen ihres Titels: Das dreistimmige Ricercar repräsentiert den Suchvorgang selbst, das sechsstimmige führt das Gefundene vor Ohren. Bei seinem Besuch am Hof Friedrichs II. am 7. und 8. Mai 1747 sollte Bach ein vom König vorgestelltes Thema als Fuge extemporieren; darauf geht wohl das Ricercar a 3 voci zurück. Die aufgegebene sechsstimmige Fuge spielte er über ein selbst gewähltes Soggetto und erbat sich für eine Ausarbeitung des Thema Regium Kompositionszeit. Sechsstimmigkeit ist in Bachs Fugenschaffen ein einsames Novum; auch die Bezeichnung Ricercar kommt sonst in seinem Werk nicht vor. Eine Erklärung sieht Orgass darin, dass zu einer Fuge nach den Regeln der Kunst Engführungen gehören, die mit dem Thema Regium nicht möglich sind. Im letzten Teil des Ricercar a 6 voci führt Bach ein diatonisches Motiv ein, das mit den ersten sieben Anschlägen des Soggettos der Fuge in As-Dur BWV 886 identisch ist: So hätten Engführungen gelingen können. Dass er das königliche Thema dennoch nicht ersetzt, liest Orgass als letzte Demutsgeste gegenüber dessen Autor. Unmittelbar nach der Reise nach Potsdam trat Bach als vierzehntes Mitglied in Lorenz Christoph Mizlers Correspondierende Societät der musikalischen Wissenschaften ein, in deren zirkulierenden Paketen das Musikalische Opfer seinen Platz fand.

Thomas Günther, seit 2007 Professor für Klavier an der Folkwang Universität der Künste in Essen, beschäftigt sich seit Ende der 1980er Jahre intensiv mit Bachs Klaviermusik und den Fragen ihrer Wiedergabe auf dem modernen Flügel. Daneben gelten seine Programmschwerpunkte den russischen Futuristen um Nikolai Obuchow, Alexander Mosolov und Nikolai Roslavets sowie der vergessenen Klaviermusik der deutsch-jüdischen Exilgeneration und des Kreises um Arnold Schönberg; John Cage, Dieter Schnebel und Juan Allende-Blin haben ihm Uraufführungen anvertraut. Seit 2003 arbeitet er regelmäßig mit Cybele Records zusammen. Die Aufnahme entstand vom 20. bis 22. September 2015 in der Stadthalle Meinerzhagen. Die Langfassung des Begleittexts von Stefan Orgass steht auf der Website des Labels zum Herunterladen bereit. Die Einspielung stand auf der Longlist 2/2016 des Preises der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Klaviermusik.